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Open Source statt Plattform-Abhängigkeit: Vereine und Organisationen können digital souverän sein

Zwischen Komfort und Kontrolle gibt es einen Weg zur digitalen Unabhängigkeit. Denn digitale Tools sind aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken, auch nicht aus dem Alltag von Vereinen, Initiativen und gemeinwohlorientierten Organisationen. Viele nutzen dafür die Dienste von großen, kommerziellen Anbietern. Was auf den ersten Blick bequem erscheint, hat jedoch seinen Preis und zwar nicht allein von den Kosten her. Katharina vom „Digital Empowerment Project“ hat im Civic Data Lab Espresso Talk informiert über Abhängigkeiten, Datenschutzrisiken, steigende Kosten.

25. 01. 2026

Videokonferenzen, gemeinsame  Dokumente ablegen, Aufgabenplanung oder Mitgliederverwaltung, all das läuft heute meist über digitale Plattformen. In einem unserer Espresso Talks im Civic Data Lab hat sich Kathe von „Digital Empowerment Project“ mit den Teilnehmenden dieser Frage gewidmet: Warum ist digitale Unabhängigkeit wichtig und wie kann sie konkret gelingen? Wir haben für Euch die Erkenntnisse zusammengefasst und in praktische Hinweise übersetzt, damit Ihr Eure digitale Infrastruktur gemeinwohlorientiert, datensicher und zukunftsfähig aufstellen könnt.

Interessiert Ihr Euch grundsätzlich für Wissenstransfer? Dann lest auch unseren Blogbeitrag zu „Lernangeboten“.

Warum digitale Unabhängigkeit wichtig ist?

Viele Organisationen nutzen gängige Geräte und bekannte Plattformen, weil sie einfach verfügbar und weit verbreitet sind. Gleichzeitig bedeutet diese Nutzung eine geringe Kontrolle über die eigenen Daten. Es ist nicht transparent, wo Daten gespeichert werden und wer Zugriff hat. Das bringt Datenschutzrisiken mit sich, da sich kommerzielle Plattformen häufig über Datenverwertung finanzieren. Außerdem bedeutet die Abhängigkeit von diesen Anbietern oftmals Kostensteigerungen. Die Preismodelle können sich ändern. Angebote, die zu Beginn umsonst sind, werden später kostenpflichtig. Die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern macht häufig einen Wechsel schwierig, weil Daten und Arbeitsprozesse fest an ein System gebunden sind.

  • Kurz gesagt: Viele Organisationen bezahlen nicht mit Geld, sondern mit ihren Daten und verlieren dabei ein Stück ihrer digitalen Selbstbestimmung.

Open Source als Schlüssel zur digitalen Souveränität

Ein zentraler Ansatzpunkt für mehr digitale Unabhängigkeit sind Open-Source-Technologien. Ihr Quellcode ist offen einsehbar. Das bedeutet zum einen Transparenz für Organisationen und Vereine – beispielsweise ist nachvollziehbar, was im Hintergrund mit den Daten geschieht. Zum anderen gibt es mit Open-Source-Technologien Datenschutzfreundlichkeit. Versteckte Algorithmen oder Datenabflüsse lassen sich nachvollziehen. Besonders sinnvoll für das Gemeinwohl ist die Orientierung an Gemeinschaft, denn Open-Source-Projekte werden von Communities getragen, die nicht primär von Gewinninteressen getrieben sind. Für gemeinnützige Vereine und Organisationen steht zudem die Kostenkontrolle im Vordergrund. Mit Open-Source fallen überwiegend keine Lizenzkosten an.

Dennoch sollte nicht verschwiegen werden, dass Open-Source-Lösungen gleichzeitig auch Herausforderungen mit sich bringen. Hosting, Einrichtung und Wartung erfordern oftmals mehr technisches Know-how oder verlässliche Partner. Dafür profitieren Vereine und Organisationen langfristig von mehr Kontrolle, Anpassungsfähigkeit und einer Community, die sich gegenseitig hilft.

Welche digitalen Werkzeuge brauchen Vereine und Organisationen wirklich?

Der Espresso Talk mit Katharina hat gezeigt, dass die Anforderungen oftmals ähnlich sind, die Vereine und Organisationen haben – unabhängig von Größe oder Themenfeld. Wir haben Euch hier eine Auswahl von Katharinas Empfehlungen zu zentralen Bedarfen und möglichen Open-Source-Alternativen aufgeschrieben:

  • Videokonferenzen
    Flexible Zusammenarbeit und niedrigschwelliger Zugang sind entscheidend. Hierfür eignet sich beispielsweise:
    BigBlueButton statt Zoom
  • Dateifreigabe und gemeinsames Arbeiten
    Dokumente sollen sicher gespeichert, geteilt und gemeinsam bearbeitet werden. Hierfür eignet sich beispielsweise:
    Nextcloud statt Google Drive
    in Kombination mit
    OnlyOffice statt Microsoft Word
  • Aufgaben- und Projektmanagement
    Ein Überblick darüber, wer welche Aufgabe bis wann erledigt ist notwendig. Hierfür eignet sich beispielsweise:
    Wekan statt Trello
  • für visuelle Zusammenarbeit
    Oftmals ist für Vereine und Organisationen die virtuelle Zusammenarbeit auf einem Whiteboard notwendig. Hierfür eignet sich beispielsweise:
    Excalidraw statt Miro
  • Veranstaltungsplanung und Anmeldungen
    Gerade für Vereine und Organisationen ist dies oft ein zentraler Anwendungsfall. Hierfür eignet sich:
    Pretix als Anmelde- und Ticketing-Tool statt Eventbride
  • Kommunikation
    Sichere und verlässliche Kommunikation im Team gewährleistet beispielsweise:
    Signal für verschlüsselte Nachrichten
  • Mitgliederverwaltung
    Ein sensibler Bereich, der besondere Anforderungen an Datenschutz und Zugriffsrechte stellt. Hierfür eignet sich beispielsweise:
    CiviCRM, ein Tool das auch Spendenverwaltung und Kampagnenplanung integriert

Digitale Sicherheit: Die Grundlagen müssen stimmen

Unabhängige Tools reichen meist allein in Vereinen und Organisationen nicht aus, sie müssen auch sicher genutzt werden. Hier haben wir ein paar grundlegende Maßnahmen für Euch zusammengestellt:

  • Starke, unterschiedliche Passwörter für alle Dienste einsetzten.
  • Passwortmanager wie Bitwarden helfen bei der Verwaltung und Generierung von Passwörtern.
  • Wachsamkeit bei E-Mails ist notwendig.
  • Phishing-Mails erkennen und direkt melden.
  • Eine klare und verständliche Dateiorganisation einrichten, die für alle nachvollziehbar ist.
  • Sinnvolle Ordnerstrukturen und Zugriffsrechte vorhalten.
  • Regelmäßige Updates schließen Sicherheitslücken und schützen sensible Daten, z.  bei Mitgliedsdaten.

Nächste Schritte: So starten Organisationen in Richtung Unabhängigkeit

Katharina von „Digital Empowerment Project“ hat im Espresso-Talk klargemacht, dass Digitale Unabhängigkeit kein Alles-oder-nichts-Projekt ist. Wichtige Fragen solltet Ihr im Vorfeld klären, bevor Ihr als Verein oder Organisation in die Daten-Unabhängigkeit startet.

  • Welches Budget steht Eurch zur Verfügung?
  • Wie unabhängig wollt oder müsst Ihr sein?
  • Welche Rolle spielt Datenschutz für Eure Tätigkeit?
  • Welche Tools passen zu Euren konkreten Bedarfen?
  • Wie gut lassen sich die einzelnen Tools miteinander kombinieren?

Ein schrittweiser Umstieg – etwa zuerst bei Videokonferenzen oder bei der Dateifreigabe – ist oft sinnvoller als ein kompletter Wechsel auf einmal, der viele neue Schritte mit sich bringt.

Typische Fallstricke beim Umstieg und wie man ihnen begegnen kann

In der Praxis scheitern Umstellungen selten an der Technik, sondern an den Rahmenbedingungen. Beispielsweise gibt es unterschiedliche Generationen im Verein oder der Organisation. Gewohnheiten im Umgang sind oft stark verinnerlicht und Veränderungen brauchen Zeit. In ehrenamtlichen Strukturen kann ein zusätzlicher Lernaufwand abschreckend wirken und eingespielte Routinen wirken verlässlich. Besonders bei Buchhaltung und Mitgliederverwaltung ist das häufig der Fall. Manchmal sind auch Optik und Usability der Hemmschuh, denn Open Source ist nicht immer „chic“ oder sofort intuitiv verständlich.

Wichtig!

Niemand muss alles allein lösen. Viele Open-Source-Projekte leben von aktiven Communities, Dokumentationen und gegenseitiger Unterstützung.

Fazit

Digitale Unabhängigkeit ist immer ein Prozess. Digitale Unabhängigkeit bedeutet nicht, auf Komfort zu verzichten. Sie bedeutet, bewusst Entscheidungen zu treffen für Datenschutz, Transparenz und Selbstbestimmung. Gemeinwohlorientierte Vereine oder Organisationen haben dabei einen besonderen Hebel. Denn ihre Werte können sich auch in ihrer digitalen Infrastruktur widerspiegeln.

Im Civic Data Lab unterstützen wir diesen Weg mit Austauschformaten wie u.a. in diesem Espresso Talk, praktischen Ressourcen und einer wachsenden Community. Digitale Unabhängigkeit gelingt am besten gemeinsam.


Katharina

Kathe

Schulung & Presse bei Digitalempowermentproject.de