Leerstand kollektiv sichtbar machen
Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial birgt. Der Anteil der Sozialwohnungen in Deutschland geht zurück, die Mieten steigen explosionsartig. Gleichzeitig zeigt der Zensus 2022 eine bundesweite Leerstandsquote von 4,3 Prozent. Das empirica-Institut beziffert den „marktaktiven Leerstand“ auf 2,5 Prozent – das sind 554.000 bezugsfertige Wohnungen. Leerstand ist in den meisten Bundesländern als Zweckentfremdung verboten, führt zu Frustration bei Betroffenen und belastet den sozialen Zusammenhalt.
Auf Leerstandsmelder.de können Bürger*innen seit 15 Jahren einen Leerstand in ihrer Stadt oder ihrer Region melden und so sichtbar machen. Die interaktive Online-Plattform schafft damit Transparenz über den jeweiligen Leerstand. Das Ziel: Eine Diskussion über den sozialen und ökologischen Umgang mit leerstehenden Wohnungen anzuregen, Argumente für kommunalpolitisches Engagement gegen Leerstand zu stärken, das Ausmaß des Problems Leerstand zu dokumentieren und perspektivisch auch statistisch auszuwerten.
Relaunch des Leerstandsmelders
In vielen Monaten ehrenamtlicher und zum Teil durch den Prototype Fund geförderter Arbeit wurde die Plattform seit 2022 vollständig neu aufgesetzt, sowohl technisch als auch gestalterisch modernisiert und für den Relaunch vorbereitet.
Das Civic Data Lab unterstützte in der finalen Phase von Juni bis August 2024: Professionelle UX-Tests halfen, durch die Beobachtung realer Nutzer*innen die letzten Stolpersteine zu identifizieren und durch Entwicklungsarbeit zu beseitigen. Ebenso wichtig war die rechtliche Prüfung der Governance-Strukturen, die Erstellung von Impressum und Datenschutzerklärung und die Veröffentlichung von Anleitungen für Bürger*innen sowie Korrekturschleifen in Code und Workflows. Durch das Datenvorhaben konnte der neue Leerstandsmelder Mitte August beim 15. Geburtstag von Gängeviertel e.V. erfolgreich gelauncht werden.