Erkenntnisse
Technische Erkenntnisse
Gute Erhebungen und Auswertungen sind eine Investition: Online-Umfragetools vermitteln den Eindruck, dass Erhebung und Auswertung schnell umgesetzt sind. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass insbesondere Fragebogendesign, Datenstrukturierung und langfristig angelegte Auswertung fundierte Überlegungen, methodisches/technisches Wissen und ausreichend Zeit erfordern.
Pragmatische Tool-Auswahl: Bei der Auswahl des Erhebungstools waren geringe Komplexität und mobile Nutzbarkeit für Teilnehmende der Umfrage sowie Kostenfreiheit ausschlaggebend. KoboToolbox erfüllte diese Kriterien gut. Die Erfahrung zeigt, dass eine klare Priorisierung der Anforderungen wichtiger ist als der Versuch, alle denkbaren Funktionen abzudecken.Unsere Recherchen haben wir für eigene Kriteriensetzung in Folgeprojekten als Bewertungsmatrix zusammengestellt.
Eine gute Auswertung umzusetzen, ist komplex und erfordert Kompromisse bei den Anforderungen: Der Wunsch nach niedrigschwelliger Bedienbarkeit und Wartbarkeit durch nicht-technische Nutzer*innen, umfangreichen Auswertungsmöglichkeiten, sowie KDG*-konformer Infrastruktur lässt sich technisch derzeit nicht abbilden. Hier waren Abstriche notwendig. Zum Beispiel wurde auf eine vollständige Automatisierung der Datenpipeline in der Cloud verzichtet. Außerdem wurde die Aktualisierung und Wartung der Lösung nicht bei TEN SING abgebildet.
*Gesetz über den Kirchlichen Datenschutz
Externe Expertise gezielt einzubinden erhöht die zur Verfügung stehenden technischen Umsetzungsmöglichkeiten: Gerade bei jährlich wiederkehrenden Auswertungen ist es akzeptabel und effizient, punktuell externe Expertise einzubeziehen anstelle sich selbst viele neue Kompetenzen anzueignen. So wurde vereinbart, dass TEN SING sich in den kommenden Jahren an CorrelAid e.V. wenden kann, um punktuell Expertise über CorrelAid-Volunteers einzuholen, um die Jahresauswertung zu aktualisieren. Diese Entscheidung nahm Druck vom TEN SING Team und eröffnete einen weit größeren technischen Lösungsraum für die Umsetzung.
Erkenntnisse zur Zusammenarbeit und Organisation
Umfragen sind Organisationsprojekte – keine Nebenaufgabe: Die Umsetzung einer jährlichen Erhebung inklusive Auswertung ist deutlich arbeitsintensiver als zunächst angenommen. Begrenzte Zeit, Ressourcen und Kompetenzen wirken sich direkt auf Planung, Durchführung und Qualität aus und müssen von Beginn an realistisch berücksichtigt werden.
Beteiligung braucht jedes Jahr neue Ressourcen: Der Erfolg der Umfrage hängt maßgeblich von der Teilnahmebereitschaft ab. Im ersten Jahr wurden dafür verschiedene Anreize gesetzt: Die Umfragen wurden auf Veranstaltungen mit vielen Teilnehmenden aus TEN SING Ortsgruppen kommuniziert und direkt vor Ort ausgefüllt. Zudem konnten Teilnehmende kleine Goodies gewinnen. Eine frühzeitige Bewerbung schon vor Beginn der Erhebungszeit steigerte zudem die Aufmerksamkeit. So konnte im ersten Jahr eine zufriedenstellende Beteiligung erreicht werden. Im zweiten Jahr verringerte sich die Beteiligung auf 35% – 50% (je nach Fragebogen) des Vorjahres. Ob das mit weniger Anreizen als im Vorjahr zusammenhängt (, denn Gewinne können nicht jedes Jahr verteilt werden,) oder sich eine Ermüdung durch Wiederholung des Fragebogens zeigt, kann aktuell nicht beurteilt werden.
Komplexität erhöht die Anforderungen an Ehrenamtliche: Die Entscheidung, zwei unterschiedliche Fragebögen für Ortsgruppen und Einzelpersonen einzusetzen, ermöglichte eine differenzierte Datenerhebung, erhöhte aber zugleich den organisatorischen Aufwand und die Anforderungen an die Aktivierung Ehrenamtlicher.
Nicht alle wollen Daten selbst auswerten – und das ist in Ordnung: Es wurde deutlich, dass gerade ehrenamtliche Engagierte in Führungspositionen selten die zeitlichen Ressourcen haben, sich intensiv mit der Gestaltung oder inhaltlichen Ausarbeitung von Auswertungen auseinanderzusetzen. Ein proaktives “an die Hand nehmen” durch externe Expert*innen – z.B. durch das Vorschlagen von Auswertungen, Textbausteinen und Visualisierungen – und Arbeiten mit Feedbackschleifen ist in solchen Fällen zielführender als zu erwarten, dass sich Personen mit begrenzten Ressourcen tief einarbeiten.