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Wo sind die Daten der Zivilgesellschaft? Ein Portal, das Antworten gibt.

Gemeinnützige Organisationen, Vereine und Stiftungen erheben ständig Daten. Umfragen, Messwerte, Projektberichte – ein riesiges Reservoir an Wissen, das täglich entsteht. Und trotzdem: Wer nach diesen Daten sucht, tappt oft im Dunkeln. Die Datensätze existieren, aber sie sind dezentral verteilt, gar nicht veröffentlicht, schwer auffindbar oder und damit für andere praktisch unsichtbar.

30. 03. 2026

Beim Civic Data Lab Espresso Talk am 26. März hat Bürge Uprak, Projektmanagerin im Projekt „Daten für die Gesellschaft“ bei der Bertelsmann Stiftung, den Datenatlas Zivilgesellschaft näher vorgestellt – und erklärt, wie das Portal genau diese Lücke schließen soll.

Woher kommt das Thema?

Open Data ist kein neues Konzept. Seit den 1980er Jahren ist es in der öffentlichen Verwaltung ein großes Thema – mit gesetzlicher Verpflichtung zur Offenlegung bestimmter Datensätze. Die Bertelsmann Stiftung hat diesen Prozess begleitet und sich dann gefragt: Wie sieht es eigentlich in der Zivilgesellschaft aus?

Das Ergebnis war ernüchternd: Es gibt keinen zentralen Ort, der offene Daten aus der Zivilgesellschaft bündelt und auffindbar macht. Dabei sind in Deutschland rund 650.000 gemeinnützige Organisationen aktiv – und viele von ihnen erheben Daten, die für andere hochrelevant wären. Erschwerend kommt hinzu: In vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen fehlt häufig die Datenkompetenz, und bestehende Unterstützungsangebote haben oft keinen direkten Bezug zur gemeinnützigen Praxis.

Die oft gehörten Mythen – und was eigentlich dahintersteckt…

Bürge Uprak hat im Talk mit den häufigsten Vorbehalten gegenüber Open Data aufgeräumt. Sie klingen vertraut, halten aber einer näheren Betrachtung kaum stand:

  • „Dafür haben wir keine Kapazitäten.“ – Niedrigschwellige Datensätze reichen häufig aus, und viele Daten existieren bereits.
  • „Unsere Daten sind zu schlecht.“ – Im Open-Data-Bereich gilt „good enough“ als Standard. Qualität verbessert sich durch Nutzung – Offenheit verbessert Datenqualität, nicht umgekehrt.
  • „Das bringt uns doch nichts.“ – Mehr Sichtbarkeit für Arbeit, Projekte und mögliche Kooperationen. Daten werden besser auffindbar, Wirkung und Reichweite steigen.
  • „Das ist rechtlich zu riskant.“ – Keine personenbezogenen Daten, klare Standards und Lizenzen existieren bereits. Open Data ist rechtssicher und stärkt das Vertrauen nach außen.
  • „Wir verlieren die Kontrolle über unsere Daten.“ – Ohne Veröffentlichung entstehen eher falsche Annahmen. Mit offenen Daten lässt sich der Kontext aktiv mitliefern – Transparenz schafft Vertrauen und ermöglicht, die eigene Interpretation zu stärken.
  • „Unsere Daten sind zu speziell.“ – In Kombination können auch Nischendaten sehr wertvoll sein. Use Cases sind vorher oft nicht bekannt: Unscheinbare Daten können große gesellschaftliche Lücken schließen.
  • „Das ist zu aufwendig.“ – Mindeststandards reichen für den Einstieg, und der Einstieg wird begleitet. Niedrige Hürde, potenziell hohe Wirkung.
  • „Damit machen wir uns angreifbar.“ – Im Gegenteil: Offenheit wirkt professioneller, Kritik wird sachlicher, und Rückmeldungen können die eigene Arbeit verbessern.
  • „Unsere Daten sind nur intern relevant.“ – Daten sind die Grundlage für Argumente und stärken Positionen gegenüber Gesellschaft und Politik.
  • „Unsere Daten bringen doch niemandem etwas.“ – Daten sind Grundlage für Innovation, für KI, für Analysen. Mehrwerte und Kooperationen entstehen oft dort, wo man sie nicht erwartet.

Der Datenatlas – jetzt live

Seit Juli 2025 läuft das Projekt, das viele dieser Punkte adressiert: der Datenatlas Zivilgesellschaft. Bereits dabei sind u.a. Greenpeace, das Deutsche Rote Kreuz und das Civic Data Lab. Das Prinzip ist so einfach wie smart: Der Datenatlas ist ein Metadatenportal – er zentralisiert nicht die Daten selbst, sondern macht sie auffindbar. Datensätze lassen sich nach Themen, Engagementfeldern, Regionen und Organisationen durchsuchen. Wer sucht, findet – ohne dass Organisationen ihre Daten irgendwo zusammenführen oder aufgeben müssen. Darüberhinaus bietet das Projekt konkrete Unterstützungsangebote, u.a. Leitfäden, Datensprechstunden eine Data-Steward-Ausbildung begleiten den Einstieg.

Wie wird man Teil des Datenatlas?

Es gibt zwei Wege: Entweder werden Daten per Harvesting automatisch eingebunden, oder Organisationen pflegen ihre Metadaten selbst ein. Für den Einstieg empfiehlt sich die Datensprechstunde – ideal für erste Fragen – oder ein Einführungsworkshop. Wer tiefer einsteigen möchte: Jährlich im Frühjahr findet ein Open Data Barcamp statt.

Gesucht werden aktuell:

  • Datenbereitsteller*innen, die offene Daten ihrer Organisation einbringen möchten
  • Datennutzer*innen, die vorhandene Daten für ihre Arbeit nutzen wollen
  • Expert*innen, die ihre Datenkompetenz einbringen
  • Kommunikationsverstärker*innen, die für die Ziele des Datenatlas werben
  • Netzwerke und Kooperationspartner*innen für den Austausch

Warum das für zivilgesellschaftliche Organisationen relevant ist

Datenbasierte Transparenz ist kein Selbstzweck. Sie ermöglicht fundierte Entscheidungen – und macht sichtbar, was zivilgesellschaftliche Organisationen tagtäglich leisten und wissen. Der Datenatlas ist dafür ein Baustein: kein Allheilmittel, aber ein Werkzeug, das echte Lücken schließt.

Die entscheidende Frage, die Bürge Uprak mitgegeben hat: Welchen Wert haben unsere Daten für andere?

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Zur Präsentation

Autor*in

Stephanie Agethen (sie/ihr)

Kommunikation Kontakt in HumHub

Bürge Uprak (sie/ihr)

Project Managerin Bertelsmann-Stiftung

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