Umfragen durchführen für Vereine: CDL erarbeitet Materialien von Konzeption bis Auswertung
03. 02. 2026
Von Bedarfserhebung über Mitgliederbefragung bis hin zur Wirkungsmessung
Anwendungsfälle, in denen eine Umfrage unsere Arbeit in zivilgesellschaftlichen Initiativen, sozialen Vereinen oder Stiftungen bereichern könnte, gibt es viele. Das erleben wir unter anderem in unseren Datensprechstunden. Hier ein paar Beispiele:
Um das Interesse in einem Sozialzentrum an einem neuen Angebot zu erforschen, wird im Eingangsbereich ein QR-Code ausgehängt, der Besucher*innen zu einer Bedarfserhebung führt: Welche Angebote nutzt du schon? Was fehlt dir noch? Würdest du ein neues Angebot xy besuchen und wenn ja wann?
Die ehrenamtlich Engagierten bei einer Online-Beratungsplattform zur Suizidprävention werden jährlich in einer Art Ehrenamtsmonitor gebeten, ihre Erfahrungen, ihre Motivation und ihre Wünsche zu teilen. So erhalten die hauptamtlichen Organisator*innen Feedback und wichtige Rückmeldungen zum sich schnell verändernden Umfeld des jungen Engagements.
Mitgliederbefragungen werden zum Beispiel oft in Sportvereinen eingesetzt, um die Zufriedenheit der Mitglieder mit der Vereinsarbeit, den Angeboten und Trainer*innen zu erfassen und Wünsche an den Vorstand frühzeitig zu erfahren.
Schließlich werden Fragebögen oft für die Wirkungsmessung und Evaluation eingesetzt: Bildungsprojekte zum Beispiel zielen auf eine Veränderungen in Wissen, Verhaltensweisen und Selbstbewusstsein sowie eine aktive Teilhabe von Menschen ab. In vielen Fällen ist das beste Erhebungsinstrument dafür, jeweils vor und nach der Bildungsmaßnahme einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung ausfüllen zu lassen und Veränderungen festzustellen, um den Einfluss der Maßnahme bestimmen zu können.

„Bürgerinnen und Bürger nehmen teil an der Online-Umfrage der Grünen zu Ladenöffnungszeiten in NRW“ von gruenenrw ist lizenziert unter CC BY-SA 2.0.
Wiederkehrende Arbeitsschritte erleichtern – oft auftretende Probleme kollektiv lösen. Die CDL Werkstattbox.
Auch wenn die Auswahl des passenden Tools, die Ausformulierung der Fragen und die jeweiligen Schlussfolgerungen je Anwendungsfall und organisationalem Kontext ganz unterschiedlich sind: Es gibt Schritte, die immer wieder auftauchen – und um die wollen wir uns kümmern.
Wir haben Euch schon im Übersichtsblogartikel zu 2026 Veränderungen im Angebot des CDL zum MACHEN angekündigt – nun erfahrt ihr die Details. Im Rahmen unserer Arbeit im MACHEN-Team wollen wir uns stärker darauf konzentrieren, kollektive Lösungen anzubieten. Ein elementarer Bestandteil dieser Neuausrichtung sind die sogenannten Werkstattphasen. Entlang eines partizipativen Prozesses entwickeln wir gemeinsam Lösungen für wiederkehrende Herausforderungen bei der gemeinwohlorientierten Datennutzung. In der ersten Werkstattphase sind das Konzeption, Durchführung, Auswertung und Interpretation von Umfragen.
Schließlich kommt es dabei immer wieder zu Stolpersteinen, die nicht jede*r für sich selbst lösen muss. Hier ein Beispiel aus einer unserer Datensprechstunden: Wir sprachen mit einer Organisation, die ihre Wirkungsmessung bereits in messbare Indikatoren übersetzt, eine entsprechende Umfrage entwickelt und diese auch in einem Umfragetool implementiert und durchgeführt hatte. Nun waren die Daten zwar erhoben, aber an der konkreten Auswertung scheiterte es. Denn die standardmäßig im Umfragetool enthaltenen Optionen zur Datenauswertung reichten in diesem konkreten Fall nicht aus. Die Überführung der Daten in ein adäquates (Statistik-)Programm, die Bereinigung der Daten und die nachfolgende Auswertung sowie anschließende Visualisierung stellten jedoch eine zu große Hürde dar – in diesem konkreten Fall scheiterte es an den ohnehin knappen zeitlichen Ressourcen. Leider musste sich die Organisation entscheiden, ganz auf tiefergehende Auswertungen zu verzichten. Das ist nicht nur ärgerlich, weil spannende Erkenntnisse und weiterführende Ergebnisse ausbleiben, sondern auch weil damit viel von der vorab investierten Zeit und Energie der Umfragestellenden und –teilnehmenden umsonst gewesen ist.
An dieser Stelle setzt unsere Werkstattbox an. Sie wird eine Starthilfe für Eure Umfragen darstellen, entwickelt zu Eurer Unterstützung entlang des gesamten Lebenszyklus von Umfragen. Damit Ihr die Wirkung Eurer Arbeit gut messen und darstellen, Eure Angebote evidenzbasiert entwickeln und Eure Mitgliederzufriedenheit im Monitoring langfristig betrachten könnt.
LimeSurvey und KoboToolbox mit XLSForm Standard
Wir haben zwei verschiedene Umfragetools identifiziert, die exemplarisch näher betrachtet werden: LimeSurvey, und KoboToolbox. Beide sind Open Source und können kostenlos sein (wenn sie selbst gehostet oder in kleinem Umfang bei externen Betreibenden genutzt werden). Wir haben die Tools auch ausgewählt, da sie häufig in Vereinen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zur Durchführung von Umfragen zum Einsatz kommen. Natürlich gibt es noch viele weitere Anbieter und im vergangen Jahr haben wir Euch eine umfassende Matrix zur Auswahl des passenden Umfragetools zur Verfügung gestellt.
Für die beiden Tools soll diesmal zunächst exploriert werden, welche Möglichkeiten zur Datenauswertung bereits vorenthalten sind und wo die jeweiligen Grenzen liegen. Als Datenbasis dient eine beispielhafte Umfrage zur Wirkungsmessung, die in den ausgewählten Tools implementiert wird. Es entstehen Empfehlungen und Anleitungen, die sowohl die Planungen des Einsatzes als auch die spätere Navigation erleichtern können.
Wir nutzen dabei den XLSForm Standard zur Konzeption und Darstellung von Umfragen, der kompatibel mit einer Reihe an Tools ist. Der XLSForm Standard basiert auf dem ODK XForms Standard, der wiederum ein Teilbereich des W3C (World Wide Web Consortium) XForm Standard ist. Dieses etwas verwirrende System von Standards maximiert Interoperabilität und bietet mit XLSForm trotzdem ein benutzerfreundliches Interface. XLSForms erlaubt es nämlich, Umfragen in Spreadsheet-Programmen wie Excel oder Libre Calc zu erstellen und danach in ein beliebiges kompatibles Tool zu importieren.
Nach Abschluss der Werkstattphase werden wir unterstützende Tools für den Umgang mit XLSForm bereitstellen. Sie können ganz oder in Bausteinen für das Design und die Auswertung von Umfragen übernommen werden.
Natürlich ist Umfrage nicht gleich Umfrage und je komplexer Euer Ziel ist, desto individueller muss auch die Auswertung ausfallen. Wenn Ihr aber nicht jeden Schritt selbst planen müsst, sondern auf Basis des Standards Bausteine übernehmen könnt, wird das viele Prozesse beschleunigen und Euch schneller in die Lage versetzen, Ergebnisse Eurer Umfragen zu präsentieren.
Macht mit und bringt Eure eigene Umfrage-Herausforderung ein!
Zum Abschluss der Werkstattphase laden wir Euch zu einer Online-Präsentation unserer Ergebnisse ein, die es Euch erleichtert, die erarbeiteten Lösungen selbst in die Umsetzung zu bringen und die Ressourcen einem Praxistest zu unterziehen. Gern unterstützen wir Euch bei der Anpassung an Eure jeweiligen Kontexte. Den Termin veröffentlichen wir rechtzeitig im CDL Eventkalender.
Wer aktuell an einer Umfragenuss sitzt, kann aber schon früher mitmachen: Wenn Ihr in Eurer Organisation vor ähnlichen Herausforderungen steht, könnt Ihr auch Eure anstehende oder schon durchgeführte Umfrage exemplarisch einbringen. Wir begleiten und unterstützen euch dann bei den noch fehlenden Schritten. Oder habt Ihr eine Datenauswertung in LimeSurvey oder KoboToolbox bei Euch in der Organisation erfolgreich umgesetzt und wollt Eure Erfahrungen teilen? Dann meldet Euch bei uns noch im Februar – per Mail an mail@civic-data.de oder direkt in der Datensprechstunde!
Wenn Ihr nun merkt, dass Ihr Euch vorab gern grundsätzlicher mit Umfragen befassen möchtet und weiter Kompetenzen im Umgang mit Euren eigenen Daten aufbauen wollt, empfehlen wir einen Blick in den Datenlebenszyklus des Civic Data Lab zu Kursen für jeden einzelnen Arbeitsschritte, besonders auch im Umgang mit Umfragen.