Community Collab – Finanzierung digitaler Lösungen in der Sozialwirtschaft neu denken
24. 07. 2026
Im Mittelpunkt des Community Collab standen nicht bereits vorgefertigte Antworten, sondern der gemeinsame Blick nach vorn. Schon zu Beginn der digitalen Veranstaltung – zu der Claudia Neuz vom Deutschen Caritasverband den Impuls gab – wurde bei den Teilnehmenden deutlich, dass sich die Herausforderungen ähneln, unabhängig von der Größe einer Organisation. Vielen fehlt der Überblick über Förderprogramme, Förderanträge sind häufig aufwendig und bieten oft nur eine Anschubfinanzierung statt einer langfristigen Perspektive. Neben den Kosten für Software müssen Organisationen auch IT-Betrieb, IT-Sicherheit, Schulungen, Change-Prozesse und Projektmanagement organisieren und finanzieren.
Ein zentrales Problem liegt darin, dass Digitalisierung in vielen Leistungsvereinbarungen bislang nicht vorgesehen ist und häufig zusätzlich beantragt oder mit Bordmitteln bestritten werden muss. Gleichzeitig steigen in kleinen wie großen Organisationen die bürokratischen Anforderungen und Sachkosten kontinuierlich, während öffentliche Haushalte zunehmend unter Druck stehen. So entsteht ein Spannungsfeld: Von sozialen Organisationen wird erwartet, innovativ zu arbeiten, ohne dass sie die notwendigen Investitionen refinanziert bekommen.
Finanzierung neu denken
Vor diesem Hintergrund diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam neue Ansätze, wie digitale Innovationen künftig finanziert werden könnten. Schnell wurde deutlich, dass es dabei nicht allein um die Frage geht, wer eine Software bezahlt. Vielmehr braucht es neue Modelle, die den langfristigen Betrieb, Weiterentwicklungen und den tatsächlichen Mehrwert digitaler Lösungen berücksichtigen.
Ein weiterer Diskussionspunkt war das sozialrechtliche Dreiecksverhältnis: Die Menschen, die soziale Leistungen oder andere Unterstützung erhalten, finanzieren diese nicht selbst. Die Finanzierung erfolgt in der Regel über öffentliche Kostenträger. Die Kostenträger finanzieren aber nicht die digitalen Angebote, die in Zukunft notwendig sein werden. Dadurch entstehen besondere Herausforderungen bei der Entwicklung und der dauerhaften Etablierung.
Gemeinsam statt allein: Kooperation kann ein Schlüssel sein
Die Ideenwerkstatt zeigte deutlich, dass viele Lösungen nicht in einzelnen Organisationen entstehen können. Ein Schwerpunktthema war deshalb die stärkere Zusammenarbeit zwischen den sozialen Organisationen.
Die Teilnehmenden sprachen sich unter anderem für gemeinsame Plattformen und den Austausch von Erfahrungen aus. Statt Insellösungen zu entwickeln und ähnliche Probleme mehrfach zu lösen, könnten Ressourcen gebündelt und gemeinsame Standards geschaffen werden. Besonders eindrücklich war das Beispiel einer Organisation, die gemeinsam mit anderen Einrichtungen innerhalb der Organisation auf einen Softwareanbieter zuging, nachdem dieser den Support für ein bestehendes System eingestellt hatte. Aus einem ersten informellen Austausch entwickelte sich eine dauerhafte Zusammenarbeit. „Was mit einer gemeinsamen Tasse Kaffee am Morgen“ begann, wurde Schritt für Schritt zu einem tragfähigen Netzwerk. Der Support für das System wurde weitergeführt, weil es einen größeren Zusammenschluss zum System gab. Dieses Beispiel machte deutlich, welches Potenzial in gemeinschaftlichem Handeln steckt.
Standards und Infrastruktur schaffen
Neben Kooperationen wurde auch der Aufbau gemeinsamer Grundlagen intensiv diskutiert. Viele Teilnehmende wünschten sich standardisierte Digitalisierungs-Check-ups, mit denen Organisationen ihren digitalen Reifegrad einschätzen können. Gerade kleinere Träger verfügen oft nicht über ausreichende IT-Expertise oder Projektmanagement-Kapazitäten, um Digitalisierungsprozesse eigenständig voranzutreiben. Als wichtige Voraussetzung wurden deshalb gemeinsame Infrastrukturen, interoperable Systeme und langfristig verfügbare Expertise genannt. Erst wenn digitale Lösungen miteinander kompatibel sind und auf gemeinsamen Standards aufbauen, lassen sich Skalierungseffekte und Effizienzgewinne tatsächlich realisieren.
Neue Partnerschaften und neue Finanzierungswege
Neben klassischen Fördermitteln diskutierten die Teilnehmenden auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten. Genannt wurden unter anderem Kooperationen mit Stiftungen, Sponsoring, Open-Source-Modelle sowie Partnerschaften mit Start-ups oder sogenannten IT-Angels. Ebenso wurde deutlich, dass Innovationen mehr Freiräume benötigen. Räume zum Experimentieren, Pilotprojekte und organisationsübergreifende Zusammenarbeit könnten dazu beitragen, neue Ideen schneller zu erproben und anschließend gemeinsam weiterzuentwickeln.
Digitalisierung strategisch verankern
Auch die politische Dimension war Thema: Viele Teilnehmende waren sich einig, dass Digitalisierung künftig stärker als Bestandteil der Regelfinanzierung sozialer Dienstleistungen verstanden werden muss. Dafür brauche es eine gemeinsame Stimme der gemeinwohlorientierten Organisationen und der Wohlfahrtsverbände gegenüber Politik und Kostenträgern. Digitalisierung müsse strategischer betrachtet werden.
Wie geht es weiter im Community Collab?
Die Ideenwerkstatt machte deutlich, das das Interesse an digitalen Innovationen in der Sozialwirtschaft groß ist. Gleichzeitig stehen viele Organisationen noch am Anfang ihrer Digitalisierungsreise und suchen Orientierung. Kooperationen, verbindliche Partnerschaften, gemeinsame Standards und eine langfristige Refinanzierung wurden von den Teilnehmenden als entscheidende Voraussetzungen benannt, damit digitale Innovationen dauerhaft Wirkung entfalten können.
Die Ideenwerkstatt „Community Collab“ versteht sich als Auftakt für den weiteren Austausch. Wer eine eigene Idee oder einen der im Workshop entstandenen Ansätze weiterentwickeln möchte, kann sich beim Civic Data Lab für ein weiteres Community Collab im Herbst melden und gemeinsam mit anderen Akteur*innen an konkreten Lösungen arbeiten.
Claudia Neuz (sie/ihr)
Referentin Deutscher Caritasverband claudia.neuz@caritas.de