Kollektiv Probleme auf dem Wohnungsmarkt sichtbar machen – Relaunch Leerstandsmelder

Auf Leerstandsmelder.de können Bürger*innen seit 15 Jahren leerstehende Gebäude eintragen, um Daten über teilweise illegal ungenutzten Wohnraum zu sammeln – eine wichtige Grundlage für zivilgesellschaftliches Engagement im Bereich Wohnen. Das Civic Data Lab unterstützte die letzten Schritte des Relaunchs, mit dem das ehrenamtliche Team die Plattform bereit für die nächsten 15 Jahre machte.

  • Abgeschlossen
  • Crowdsourcing
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Leerstand kollektiv sichtbar machen

Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial birgt. Der Anteil der Sozialwohnungen in Deutschland geht zurück, die Mieten steigen explosionsartig. Gleichzeitig zeigt der Zensus 2022 eine bundesweite Leerstandsquote von 4,3 Prozent. Das empirica-Institut beziffert den “marktaktiven Leerstand” auf 2,5 Prozent – das sind 554.000 bezugsfertige Wohnungen. Leerstand ist in den meisten Bundesländern als Zweckentfremdung verboten, führt zu Frustration bei Betroffenen und belastet den sozialen Zusammenhalt.

Auf Leerstandsmelder.de können Bürger*innen seit 15 Jahren einen Leerstand in ihrer Stadt oder ihrer Region melden und so sichtbar machen. Die interaktive Online-Plattform schafft damit Transparenz über den jeweiligen Leerstand. Das Ziel: Eine Diskussion über den sozialen und ökologischen Umgang mit leerstehenden Wohnungen anzuregen, Argumente für kommunalpolitisches Engagement gegen Leerstand zu stärken, das Ausmaß des Problems Leerstand zu dokumentieren und perspektivisch auch statistisch auszuwerten.

Relaunch des Leerstandsmelders

In vielen Monaten ehrenamtlicher und zum Teil durch den Prototype Fund geförderter Arbeit wurde die Plattform seit 2022 vollständig neu aufgesetzt, sowohl technisch als auch gestalterisch modernisiert und für den Relaunch vorbereitet.

Das Civic Data Lab unterstützte in der finalen Phase von Juni bis August 2024: Professionelle UX-Tests halfen, durch die Beobachtung realer Nutzer*innen die letzten Stolpersteine zu identifizieren und durch Entwicklungsarbeit zu beseitigen. Ebenso wichtig war die rechtliche Prüfung der Governance-Strukturen, die Erstellung von Impressum und Datenschutzerklärung und die Veröffentlichung von Anleitungen für Bürger*innen sowie Korrekturschleifen in Code und Workflows. Durch das DatenvorhabenDatenvorhabenDer Begriff Datenvorhaben beschreibt ein geplantes Projekt oder eine Initiative, bei dem bzw. der Daten eine zentrale Rolle spielen. Er umfasst die Sammlung, Analyse und Nutzung von Daten, um Entscheidungsprozesse zu verbessern und Innovationen voranzutreiben. Das CDL hat 2023 - 2025 Organisationen bei ihren individuellen Vorhaben begleitet. konnte der neue Leerstandsmelder Mitte August beim 15. Geburtstag von Gängeviertel e.V. erfolgreich gelauncht werden.

Übergangswelle

Technologien

  • Backend/APIAPIEine Programmierschnittstelle (API) ist ein Programm, welches die Kommunikation und den Datenaustausch zwischen Anwendungen ermöglicht. In der sogenannten API-Dokumentation (auch API-Spezifikation) wird festgelegt, welche Daten abrufbar sind und welche “Kommunikationsregeln” für den Datenaustausch gelten. Da APIs die Kommunikation zwischen Anwendungen regeln und ermöglichen, sind sie für die Endbenutzer*innen häufig nicht sichtbar. Trotzdem sind APIs ein sehr zentrales Instrument der Softwareentwicklung und machen viele Nutzeranwendungen erst möglich.: Ruby on Rails
  • DatenbankDatenbankEine Datenbank ist ein System zur Speicherung und Verwaltung von Daten. Es handelt sich um eine Softwareanwendung, die strukturierte Daten in Tabellen (Spalten und Zeilen) organisiert und effiziente Abfragen und Transaktionen ermöglicht. Datenbanken werden in zahlreichen Bereichen eingesetzt, um große Mengen an Informationen sicher und zugänglich zu halten.: PostgreSQL
  • Frontend: Javascript / vue.js
  • Versionierung: GitLab
  • CI/CDCI/CDCI/CD beschreibt einen automatisierten Prozess in der Softwareentwicklung, bei dem neue Änderungen der Software regelmäßig zusammengeführt (continuous integration), getestet und den Nutzer*innen der Software bereitgestellt (continuous deployment) werden. CI/CD ist eng mit dem Konzept des Deployments verknüpft, da es diesen letzten Schritt der Entwicklung einer Software - die Bereitstellung der Software für die Nutzer*innen - stark vereinfacht und durch Automatisierung beschleunigt. Als Teil des DevOps-Ansatzes trägt CI/CD dazu bei, Software schneller, zuverlässiger und mit weniger manueller Arbeit in Betrieb zu nehmen. Während DevOps der übergeordnete Ansatz ist, der Entwicklung und Betrieb zusammenbringt, beschreibt C/CD die konkreten Prozesse und Werkzeuge, mit denen dieser kontinuierliche Fluss von Änderungen automatisiert wird. Die folgende Grafik zeigt den grundsätzlichen Ablauf eines CI/CD Prozesses:: GitLab
  • DeploymentDeploymentDeployment bezeichnet den Schritt, in dem eine entwickelte Software – zum Beispiel eine Website, ein Machine-Learning-Modell oder ein Chatbot – so bereitgestellt wird, dass sie tatsächlich genutzt werden kann. Im Gegensatz zur einfachen Installation von Standardsoftware (wie z.B. eines Textverarbeitungsprogramms) ist das Deployment eigener Software in der Regel kein einmaliger Klick, sondern ein mehrstufiger Prozess. Dies gilt insbesondere dann, wenn mehrere Personen beteiligt sind, verschiedene Testphasen notwendig sind oder ein stabiler und fehlerfreier Betrieb sichergestellt werden muss. Heutzutage wird dieser Prozess häufig so weit wie möglich automatisiert, um Deployments einfacher, weniger fehleranfällig und häufiger durchführen zu können (siehe DevOps). Backend: Docker
  • E-Mail
  • Projektmanagement & Meeting Notizen: NextCloud Dokument
  • Meetings: ca. alle 4-6 Wochen, da die Dienstleister*innen sehr selbstständig arbeiteten
Übergangswelle

Erkenntnisse

  • Die letzten 20% bei der (Neu-)Entwicklung von Datenprodukten – das Ausbügeln letzter Bugs, UX-Testing, Deployment und Migration, Sicherstellung von guter Dokumentation und Code-Qualität – sind häufig die schwersten. Gerade hier ist es wichtig, zu unterstützen, um langfristig stabile und wartbare Lösungen zu gewährleisten.
  • Professionelle UX-Tests von Datenprodukten ist im gemeinwohlorientierten Kontext noch nicht weit verbreitet. Im Datenvorhaben stellten sie sich als sehr wertvoll heraus – es wurden noch mehrere Stolperstellen in der User Experience identifiziert, für die größtenteils einfache Lösungen gefunden werden konnten. Organisationen bzw. Teams, die ein neues Produkt entwickeln, sollten, wenn möglich, Zeit und finanzielle Ressourcen für professionelle UX-Tests einplanen und sich nicht (nur) auf informelle Tests durch eigene Mitarbeiter*innen o.ä. verlassen.
  • Projektmanagement muss nicht immer groß aufgesetzt sein: Im Datenvorhaben reichte eine gut strukturierte Tabelle in einem NextCloud Dokument, klar formulierte Next Steps aus sowie die externe Deadline in Form des 15. Geburtstags von Gängeviertel e.V., um das Datenvorhaben fokussiert und zügig abzuschließen.
  • Das Konzept, eine Webanwendung für die Arbeit von bereits existierenden, selbstorganisierten lokalen Gruppen bereitzustellen, ist ein vielversprechendes Modell auch für andere Anwendungsfälle. Anstelle „top-down“ neue lokale Gruppen um eine digitale Plattform aufzubauen, sollten Initiator*innen von Plattformen zunächst den analogen Raum aufsuchen, dort potenzielle Nutzer*innen finden und mit diesen zusammen die Plattform konzipieren und entwickeln.

Mehr zu Erkenntnissen aus dem Datenvorhaben mit dem Leerstandsmelder in unserem Blog Post „Leerstand verstärkt die Wohnungsnot – der Leerstandsmelder bietet Chancen“.

Beteiligte

Logo Leerstandsmelder. Roter Kreis mit weißer Schrift: "LEER" in der ersten Zeile, dann Leerstandsmelder.de in der zweiten Zeile.

Leerstandsmelder-Team

Personen aus dem Leerstandsmelder-Team haben das Datenvorhaben technisch (Finalisierung Features, Bugs fixen, Migration & Deployment) und inhaltlich (UX-Tests, Dokumentation, DatenschutzDatenschutzDatenschutz beschreibt Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten vor Missbrauch, unbefugtem Zugriff und Verlust. Er umfasst Gesetze, Richtlinien und Techniken, die Organisationen verpflichten, personenbezogene Daten sicher zu verwalten. Datenschutz ist entscheidend, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu wahren und die Rechte Einzelner zu schützen.) umgesetzt.

Civic Data Lab

Civic Data Lab Team

Civic Data Lab Team: Angela Berger und Leo Preu haben die Arbeit im Datenvorhaben koordiniert und die Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.

Übergangswelle

Aus dem Projektverlauf:

  • 10. Juni 2024: Kickoff
  • Sommer 2024: UX-Testing, Arbeiten an den letzten Features und BugBugBugs oder Fehler sind unerwartete Probleme und Störungen in Software oder Systemen, die dazu führen, dass diese nicht wie vorgesehen funktionieren. Fehlermanagement umfasst alle Prozesse zur systematischen Erfassung, Priorisierung, Analyse, Behebung und Dokumentation dieser Probleme, um die Stabilität und Qualität eurer digitalen Lösungen zu verbessern. Fixing, Handreichung für die Lokalgruppen, Datenschutzerklärung, Migration & Relaunch
  • 23. August 2024: Vorstellung neuer Leerstandsmelder beim 15. Geburtstag von Gängeviertel e.V.
  • September/Oktober 2024: Abschluss des Datenvorhabens, Blog Post “Leerstand verstärkt die Wohnungsnot – der Leerstandsmelder bietet Chancen”
  • November 2024: Berichterstattung über das Datenvorhaben in mehreren deutschen Medien (siehe Ergebnisse)
Übergangswelle

Kontakt zum Umsetzungs-Team

Leo Preu (er/ihm)

CDL Team Kontakt in HumHub

Angela Berger (sie/ihr)

CDL Team Kontakt in HumHub

Logo Leerstandsmelder. Roter Kreis mit weißer Schrift: "LEER" in der ersten Zeile, dann Leerstandsmelder.de in der zweiten Zeile.

Leerstandsmelder-Team